Die ExpertInnen der MA 41 - Stadtvermessung Wien koordinieren die Erfassung des Wiener Stadtgebiets mit Mobile-Mapping-Technologie (Foto: PID/Christian Fürthner)

Die Befahrung startet wieder

Die Erfassung des öffentlichen Raumes mittels „Mobile Mapping“-Technologie ist ein wichtiger Teil des innovativen Vorhabens von „Wien gibt Raum“. Die Befahrung wurde im September 2017 begonnen und dann aufgrund des Winters unterbrochen. Bis dahin wurde etwa die Hälfte des Wiener Stadtgebietes erfasst.

Seit 27. März 2018 sind die Vermessungsfahrzeuge nun wieder im Wiener Stadtgebiet unterwegs. Sie erfassen nunmehr das verbliebene Stadtgebiet – vor allem die Außenbezirke – und schließen Lücken im bestehenden Datenmaterial. Die Erfassung des gesamten Stadtgebietes wird damit voraussichtlich Ende Mai abgeschlossen sein.

Die Befahrung wird von den ExpertInnen der MA 41 – Stadtvermessung Wien koordiniert. Zudem wird momentan auch die Anonymisierung und die exakte Ausrichtung der Bilddaten am Wiener Koordinatensystem vorgenommen. Mit diesen hochqualitativen Daten arbeitet der Magistrat der Stadt Wien an Lösungen, um die Nutzung des öffentlichen Raumes für BürgerInnen und Unternehmen zu vereinfachen.

Das Befahrungsfahrzeug von Wien gibt Raum (Bohmann/Bubu Dujmic)

Befahrung bis zum Frühjahr unterbrochen – bisher höchst erfolgreicher Verlauf

Von 25.09.2017 bis 27.11.2017 waren die „Wien gibt Raum“-Fahrzeuge in der Stadt Wien unterwegs, und haben in diesem Zeitraum an insgesamt 38 Tagen eine Wegstrecke von 3.515 km zurückgelegt. Dies entspricht z.B. der Strecke Wien – Marrakesch oder einem Hundertstel der Strecke zwischen Erde und Mond!

Dabei war der sonnige Herbst für die Befahrung günstig – an nur zwei Tagen musste wegen Regens abgebrochen werden. Auf Grund der Wetterlage haben die Fahrzeuge nun Winterpause. Denn Sonnenstand, Tageslänge und Wetter erlauben keine sinnvolle Datenerfassung mehr. Die Fortsetzung der Datenerfassung findet im Frühjahr 2018 statt.

Die Hälfte des Stadtgebiets erfasst

Bezogen auf die zu erfassenden Bereiche wurden aktuell rund 50% mit Daten abgedeckt, wobei in Summe rund 17 Millionen Einzelbilder bzw. ca. 35 Terrabyte an Daten aufgenommen wurden. Die Fahrzeuge nehmen ihre Daten im normalen Stadtverkehr auf, und lösen die Kameras je nach Situation mit einen Abstand von 3 bis 5 m aus. Pro Fahrzeugposition werden insgesamt 13 Einzelbilder aufgenommen.

Die bis jetzt gesammelten Daten werden über die Wintermonate aufbereitet. 17 Millionen Bilder müssen an die korrekten Positionen der Stadt wandern, radiometrisch und geometrisch verbessert werden und abschließend in 3D Bilder umgewandelt werden. Die in den Bildern ersichtlichen Personen und Kennzeichen werden anonymisiert. Parallel dazu wird die nötige interne IT Infrastruktur geschaffen und eine große Datenbank aufgebaut. Weiterführend werden die aufbereiteten Mobile-Mapping-Daten stückweise im Magistrat eintreffen und von der MA 41 – Stadtvermessung einer strengen Qualitätskontrolle unterzogen.

Durch die Unterbrechung entstehen der Stadt Wien keine zusätzlichen Kosten und es kommt zu keiner relevanten Verzögerung innerhalb des Programmes „Wien gibt Raum“.

Fahrzeug zur Vermessung "Mobile Mapping"

Start der Befahrung

Seit heute sind bis zu drei Vermessungsfahrzeuge von „Wien gibt Raum“ im Wiener Stadtgebiet unterwegs …

Programmleiter David Vladar (links) und Programmauftraggeber Leopold Bubak (rechts) im Interview

Interview: Was macht „Wien gibt Raum“ eigentlich aus?

Programmleiter David Vladar (links) und Programmauftraggeber Leopold Bubak (rechts) im Interview

 

Was fasziniert Sie an „Wien gibt Raum“ besonders?

David Vladar: Der öffentliche Raum ist lange Zeit hauptsächlich als Platz für die Fortbewegung wahrgenommen worden. Kommunikative und soziale Nutzungen des öffentlichen Raums waren eher eine Randerscheinung – sicher auch, weil administrative Hürden solche Vorhaben gebremst haben. Unser Programm wird diese Hürden abbauen und damit dazu beitragen, dass der öffentliche Raum bunter und vielseitiger wird. Das finde ich besonders faszinierend und dieses Ziel motiviert mich persönlich in der Arbeit an dem Programm.

„Wien gibt Raum“ ist ja das Ergebnis eines längeren Prozesses – könnten Sie das ein wenig beschreiben?

Leopold Bubak: Bereits im Februar 2013 hat eine Projektgruppe begonnen, gezielt Strategien zur Qualitätssteigerung der Verwaltung des öffentlichen Raums zu erarbeiten. Anfangs lag der Fokus dabei eher auf dem Stadtbild. Es wurde uns aber im Zuge dieses ersten Projektes klar, dass wir unsere interne Zusammenarbeit auf neue Beine stellen müssen, wenn wir nachhaltige Verbesserungen erzielen wollen.

David Vladar: Außerdem haben wir Feedback zu der aus Sicht unserer Kundinnen und Kunden teils schweren Auffindbarkeit von Informationen und zu den komplizierten Antragsmodalitäten in diesem Bereich ernst genommen. Wir haben also erste Ideen zur Errichtung eines virtuellen One-Stop-Shops – einer zentralen Online-Plattform mit Informationen und Antragsmöglichkeiten – erarbeitet. Anfang 2016 hat unsere Projektgruppe den offiziellen Auftrag erhalten, die erarbeiteten Strategien so zu verfeinern, dass sie umgesetzt werden können. Wir haben dann in einem sogenannten Detailkonzeptionsprojekt die betroffenen Prozesse analysiert, organisatorische Verbesserungsmöglichkeiten im Detail festgehalten und alle Vorbereitungen für die Programmierung der erforderlichen IT-Tools getroffen. Jetzt sind wir startklar für die Umsetzung, die aufgrund der Dimensionen allerdings einige Jahre in Anspruch nehmen wird.

Das Programm beschreibt sich selbst ja als innovativ. Wo sehen Sie das größte Innovationspotential?

Vladar: Wir wollen es als erste Stadt in Europa schaffen, einen wirklichen Gesamtüberblick über die Nutzungen des öffentlichen Raums zu haben und diesen Überblick auch mit den Bürgerinnen und Bürgern zu teilen. Ich denke, dass unsere Wiener Lösung für diesen Bereich international für Aufmerksamkeit sorgen wird.

Bubak: Als Vorreiter-Projekt sehe ich auch unseren geplanten virtuellen One-Stop-Shop, der Informationen mittels eines Online-Assistenten für Kundinnen und Kunden vorsortieren und den Weg von der ersten Frage zum fertigen Antrag möglichst mühelos gestalten wird.

Warum ist der Stadt Wien der öffentliche Raum so wichtig?

Bubak: Der öffentliche Raum gehört uns allen und die Art seiner Nutzung wirkt sich stark auf unser gesamtes Zusammenleben aus. Wie wertvoll dieser Raum ist, wird deutlich, wenn man an seine eigene Lieblingsstadt – abgesehen von Wien – denkt. Vor dem geistigen Auge erscheinen Bilder und öffentliche Plätze spielen in den meisten Fällen die Hauptrolle. Attraktive Plätze sind nicht vollgestopft aber auch nicht leergefegt. Richtig dosierte und gut abgestimmte Nutzungen des öffentlichen Raumes machen eine schöne Stadt noch schöner.

Vladar: Wien gibt Raum wird die Werkzeuge schaffen, die die Stadtverwaltung braucht, um den öffentlichen Raum vor einer Überfrachtung zu schützen und Sondernutzungen als harmonisches Ensemble zu gestalten.

Wieso ist dafür eine Befahrung mit Vermessungsfahrzeugen und Kameras nötig?

Vladar: Die Erfassung des Ist-Standes der Stadtmöblierung steigert die Effizienz unserer Arbeit, weil wir Fragen zur Nutzung des öffentlichen Raumes leichter beantworten können, ohne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort zu schicken. Die Bilder aus der Befahrung erlauben es uns zusätzlich, die öffentlichen Flächen mit weitaus weniger Aufwand von längst nicht mehr genutzten Elementen zu entrümpeln.

 

Zu den Personen:

Mag. Leopold Bubak ist Leiter der MA 65 – Rechtliche Verkehrsangelegenheiten und Auftraggeber des Programms „Wien gibt Raum“

Mag. David Vladar ist stellvertretender Leiter der MA 65 – Rechtliche Verkehrsangelegenheiten und Programmleiter von „Wien gibt Raum“

Veranstaltung mit DatenschützerInnen zu Wien gibt Raum

Infoveranstaltung zum Thema Datenschutz

Das Thema Datenschutz spielt bei „Wien gibt Raum“ eine besonders wichtige Rolle. Da wir als Stadt Wien dieses innovative Projekt partizipativ gestalten möchten, lud der Programmleiter Mag. David Vladar am 6. Juli 2017 Vertreterinnen und Vertretern von Datenschutzverbänden in die Wiener Planungswerkstatt ein. Unter anderem folgten Vertreterinnen und Vertretern von C3W, Metalab, Open Knowledge Österreich und quintessenz der Einladung.

Dabei wurden das Programm sowie sein Datenschutzkonzept vorgestellt und mit den Datenschützerinnen und Datenschützern diskutiert. Die vorgestellten Maßnahmen zum Schutz der Privatsphäre von Bürgerinnen und Bürgern wurden von allen Anwesenden als sehr gut und umfassend wahrgenommen. Aus dem gemeinsamen Gespräch konnten wir zahlreiche Anregungen mitnehmen, die wir in die Arbeit von „Wien gibt Raum“ einfließen lassen werden.

Besonders intensiv wurden die Möglichkeiten der Nutzung von georeferenzierten Bilddaten in hoher Qualität diskutiert. So wurde etwa die Verwendung für wissenschaftliche Forschungszwecke oder durch Startups im Rahmen von Open Data besprochen. Ein weiterer Punkt, der auf reges Interesse stieß war die Datensicherheit – etwa bei den Mechanismen zur Unkenntlichmachung von Personen und Fahrzeugkennzeichen.

Die Veranstaltung stellte den Beginn eines Dialogs mit magistratsexternen Stakeholdern dar, der im Programm „Wien gibt Raum“ weiter verfolgt wird.