Programmleiter David Vladar (links) und Programmauftraggeber Leopold Bubak (rechts) im Interview

Interview: Was macht „Wien gibt Raum“ eigentlich aus?

Programmleiter David Vladar (links) und Programmauftraggeber Leopold Bubak (rechts) im Interview

 

Was fasziniert Sie an „Wien gibt Raum“ besonders?

David Vladar: Der öffentliche Raum ist lange Zeit hauptsächlich als Platz für die Fortbewegung wahrgenommen worden. Kommunikative und soziale Nutzungen des öffentlichen Raums waren eher eine Randerscheinung – sicher auch, weil administrative Hürden solche Vorhaben gebremst haben. Unser Programm wird diese Hürden abbauen und damit dazu beitragen, dass der öffentliche Raum bunter und vielseitiger wird. Das finde ich besonders faszinierend und dieses Ziel motiviert mich persönlich in der Arbeit an dem Programm.

„Wien gibt Raum“ ist ja das Ergebnis eines längeren Prozesses – könnten Sie das ein wenig beschreiben?

Leopold Bubak: Bereits im Februar 2013 hat eine Projektgruppe begonnen, gezielt Strategien zur Qualitätssteigerung der Verwaltung des öffentlichen Raums zu erarbeiten. Anfangs lag der Fokus dabei eher auf dem Stadtbild. Es wurde uns aber im Zuge dieses ersten Projektes klar, dass wir unsere interne Zusammenarbeit auf neue Beine stellen müssen, wenn wir nachhaltige Verbesserungen erzielen wollen.

David Vladar: Außerdem haben wir Feedback zu der aus Sicht unserer Kundinnen und Kunden teils schweren Auffindbarkeit von Informationen und zu den komplizierten Antragsmodalitäten in diesem Bereich ernst genommen. Wir haben also erste Ideen zur Errichtung eines virtuellen One-Stop-Shops – einer zentralen Online-Plattform mit Informationen und Antragsmöglichkeiten – erarbeitet. Anfang 2016 hat unsere Projektgruppe den offiziellen Auftrag erhalten, die erarbeiteten Strategien so zu verfeinern, dass sie umgesetzt werden können. Wir haben dann in einem sogenannten Detailkonzeptionsprojekt die betroffenen Prozesse analysiert, organisatorische Verbesserungsmöglichkeiten im Detail festgehalten und alle Vorbereitungen für die Programmierung der erforderlichen IT-Tools getroffen. Jetzt sind wir startklar für die Umsetzung, die aufgrund der Dimensionen allerdings einige Jahre in Anspruch nehmen wird.

Das Programm beschreibt sich selbst ja als innovativ. Wo sehen Sie das größte Innovationspotential?

Vladar: Wir wollen es als erste Stadt in Europa schaffen, einen wirklichen Gesamtüberblick über die Nutzungen des öffentlichen Raums zu haben und diesen Überblick auch mit den Bürgerinnen und Bürgern zu teilen. Ich denke, dass unsere Wiener Lösung für diesen Bereich international für Aufmerksamkeit sorgen wird.

Bubak: Als Vorreiter-Projekt sehe ich auch unseren geplanten virtuellen One-Stop-Shop, der Informationen mittels eines Online-Assistenten für Kundinnen und Kunden vorsortieren und den Weg von der ersten Frage zum fertigen Antrag möglichst mühelos gestalten wird.

Warum ist der Stadt Wien der öffentliche Raum so wichtig?

Bubak: Der öffentliche Raum gehört uns allen und die Art seiner Nutzung wirkt sich stark auf unser gesamtes Zusammenleben aus. Wie wertvoll dieser Raum ist, wird deutlich, wenn man an seine eigene Lieblingsstadt – abgesehen von Wien – denkt. Vor dem geistigen Auge erscheinen Bilder und öffentliche Plätze spielen in den meisten Fällen die Hauptrolle. Attraktive Plätze sind nicht vollgestopft aber auch nicht leergefegt. Richtig dosierte und gut abgestimmte Nutzungen des öffentlichen Raumes machen eine schöne Stadt noch schöner.

Vladar: Wien gibt Raum wird die Werkzeuge schaffen, die die Stadtverwaltung braucht, um den öffentlichen Raum vor einer Überfrachtung zu schützen und Sondernutzungen als harmonisches Ensemble zu gestalten.

Wieso ist dafür eine Befahrung mit Vermessungsfahrzeugen und Kameras nötig?

Vladar: Die Erfassung des Ist-Standes der Stadtmöblierung steigert die Effizienz unserer Arbeit, weil wir Fragen zur Nutzung des öffentlichen Raumes leichter beantworten können, ohne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort zu schicken. Die Bilder aus der Befahrung erlauben es uns zusätzlich, die öffentlichen Flächen mit weitaus weniger Aufwand von längst nicht mehr genutzten Elementen zu entrümpeln.

 

Zu den Personen:

Mag. Leopold Bubak ist Leiter der MA 65 – Rechtliche Verkehrsangelegenheiten und Auftraggeber des Programms „Wien gibt Raum“

Mag. David Vladar ist stellvertretender Leiter der MA 65 – Rechtliche Verkehrsangelegenheiten und Programmleiter von „Wien gibt Raum“

6 Kommentare
  1. drca
    drca says:

    s.g. damen und herren,
    vielen dank für die info.
    unsere kritk:
    sie sprechen vom „Vermessung mittels Mobile Mapping“ in der ausschreibung wurde aber „nur“ von befahrung ( siehe unten ) gesprochen. da wir die schlagworte wie „vermessung, laserscan….“ in unserem profil verwenden, konnten wir obwohl ein wiener unternehmen ( wertschöpfung bleibt in wien ) bei der ausschreibung nicht teilnehmen.
    unser interesse liegt bei der vermessung und erstellung von geographischen systhmen ( gis ) insbesondere in unserem heimmarkt. wir glauben, dass für diese vermessung kein ausländisches unternehmen benötigt wird. das alles haben wir in wien und das können wir in wien.

    49193-00 – MA 41-141935-2017 AL – Vergabe einer Befahrung mit einem fahrzeuggetragenen, bildgebendem Mobile Mapping System und der Erstellung eines Bilddienstes für das Wiener Gemeindegebiet

    lg ein wiener unternehmen und viele wiener steuerzahler
    die schweizer werden sich freuen

    Antworten
    • Timon Jakli
      Timon Jakli says:

      Sehr geehrte/r drca,
      wie Sie sicherlich wissen, darf bei den gesetzlich verpflichtenden europaweiten Ausschreibungen die Herkunft des Unternehmens keine Rolle spielen. Natürlich hätten wir uns gefreut, wenn die Wertschöpfung in Österreich oder sogar Wien bleibt. Die Entscheidung für die Vergabe wurde aber in Übereinstimmung mit den gesetzlichen Richtlinien getroffen. Ein Ausschluss aufgrund nationaler Kriterien wäre willkürlich und intransparent.

      Was Ihre Teilnahme an der Ausschreibung betrifft: Die Auswahl Ihrer Suchkriterien legen Sie natürlich selbst fest, wir dürfen hier auch auf die korrekte Angabe des CPV-Codes für Vermessungsleistungen in der Ausschreibung verweisen.

      Mit besten Grüßen, Timon Jakli

      Antworten

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